Sehnenreizung bei Sportlern: wie lange sie dauert und warum sie wiederkommt
Das häufigste Problem, das Sportler zu mir bringt, ist die gereizte Sehne. Patellasehne, Achillessehne, Bizepssehne, die Schulter beim Bankdrücken. Und nichts bremst den Fortschritt im Sport so zuverlässig wie eine Verletzung, die immer wiederkommt.
Wer damit zu tun hat, will als Erstes wissen, wie lange das dauert. Die kurze Antwort: Eine Sehne braucht fünf bis sechs Mal so lange zum Regenerieren wie ein Muskel. Warum das so ist und warum die Reizung trotz Pause wiederkommt, hat denselben Grund wie die Beobachtung, dass sie fast immer nur eine Seite trifft.
Sehne oder Muskel? Der Unterschied liegt im Verlauf
Du erkennst den Unterschied meistens daran, wie der Schmerz sich über die Trainingseinheit verhält.
Eine Sehnenverletzung kommt schleichend, über eine gewisse Dauer. Typisch ist der Anlaufschmerz: Die ersten Minuten tun weh, dann machst du dich warm, und die Sehne meldet sich erst mal nicht mehr. Du denkst, es ist gut. Bis du in die volle Belastung gehst. Dann ist der Schmerz wieder da.
Ein Muskel verhält sich anders. Wenn du dir eine Muskelfaser gezerrt oder gerissen hast, tut es akut weh, und zwar durchgehend. Ob du dich aufwärmst oder nicht, ändert daran wenig.
Das ist der größte Unterschied, und er ist der erste Hinweis darauf, womit du es zu tun hast.
Warum meistens nur eine Seite weh tut
Die Patellasehne rechts tut weh, links hast du gar nichts. Die Achillessehne rechts, links nicht. Beim Bankdrücken meldet sich die linke Schulter, die rechte bleibt ruhig. Dabei benutzt du beim Sprinten, beim Fußball oder an der Hantel beide Seiten fast gleich.
Genau das ist der Punkt, an dem die meisten aufhören zu fragen. Dabei steckt hier die Ursache.
Der Grund ist mechanisch. Bestimmte Muskeln arbeiten nicht so, wie sie arbeiten sollen. Andere Muskeln übernehmen deren Arbeit mit. Diese anderen Muskeln machen dann zwei Jobs statt einem, und die Sehne, an der sie ziehen, bekommt dauerhaft mehr ab als vorgesehen. Auf einer Seite. Über Monate.
Die Seite, auf der es weh tut, verrät mir also schon etwas über die Ursache.
Was ich abklopfe, wenn jemand damit zu mir kommt
Diese mechanischen Probleme muss man austesten, osteopathisch. Die Stelle, an der es weh tut, ist dabei nur der Ausgangspunkt. Interessant wird es bei der Frage, welcher Muskel seine Arbeit abgegeben hat und warum.
Ich schaue mir an, welche Muskeln gut funktionieren und welche sich schlecht ansteuern lassen. Und dann suche ich den Grund dafür:
Ist irgendwo ein Nerv eingeengt?
Gibt es eine Wirbelblockade?
Steht das Becken schief?
Ist eine Rippe blockiert?
Jede dieser Sachen kann dazu führen, dass ein Muskel nicht mehr richtig angesteuert wird. Und sobald das passiert, übernimmt ein anderer, und die Überlastung beginnt.
Wie lange eine Sehnenreizung braucht, und warum
Eine Sehne braucht fünf bis sechs Mal so lange, um sich zu regenerieren, wie ein Muskel. Das ist der Teil, den fast niemand auf dem Schirm hat, und er erklärt, warum die üblichen zwei Wochen Pause so oft zu kurz sind.
Der Grund liegt in der Durchblutung. Eine Sehne ist schlecht durchblutet und bekommt dadurch wenig Nährstoffe und wenig Sauerstoff ab. Beim Muskel ist das anders, und jeder kennt das vom Training: Da geht viel Blut rein, viel Sauerstoff, viel Nährstoff. Entsprechend schneller erholt er sich auch.
Die Sehne kann da nicht mithalten. Sie heilt langsamer, weil ihr schlicht das Material fehlt, mit dem sie heilen könnte.
Wie aus einer Reizung eine chronische Entzündung wird
Jetzt setzt sich beides zusammen, und daraus entsteht ein Kreislauf.
Nehmen wir den Beckenschiefstand. Durch ihn reizt du dir bei jeder Einheit wieder dieselbe Achillessehne. Nach dem Training erholen sich deine Muskeln, die sind nach zwei Tagen wieder fit. Die Achillessehne ist vom letzten Mal aber noch angeschlagen, weil sie eben fünf bis sechs Mal so lange braucht. Du fühlst dich erholt und machst das nächste Training. Und das nächste.
Die Sehne kommt nie hinterher. Irgendwann entzündet sie sich chronisch.
Warum Stoßwelle und Spritze das Problem oft nicht lösen
An diesem Punkt kommen die üblichen Maßnahmen: Stoßwelle, entzündungshemmende Medikamente, Kortison.
Aus meiner Sicht behandelt das die gereizte Stelle, während die Ursache stehen bleibt. Wenn das Becken weiterhin schief steht und dieselben Muskeln weiterhin die Arbeit der anderen mitmachen, liegt nach der Behandlung wieder dieselbe Belastung auf derselben Sehne. Der Reiz beginnt von vorn.
Was es aus meiner Erfahrung braucht, ist die Kombination: die zugrunde liegende Ursache finden, die Körperstatik normalisieren, die Muskelansteuerung normalisieren und die Belastung wieder gleichmäßig auf beide Gelenke verteilen.
Was die Sehne zum Heilen an Material braucht
Die Heilung wird zusätzlich langsamer, wenn dem Körper Nährstoffe fehlen. Sehnengewebe besteht zu einem großen Teil aus Kollagen, und Vitamin C ist an der normalen Kollagenbildung beteiligt. Fehlt davon etwas, hat die Sehne weniger, womit sie arbeiten kann.
Zur Versorgung gehören für mich deshalb Kollagen, Vitamin C und Omega 3. Das ersetzt die Behandlung der Ursache nicht, aber ohne Baumaterial wird es auch mit behandelter Ursache zäh.
Wann du das abklären lassen solltest
Wenn dich eine Sehne seit Wochen begleitet, immer auf derselben Seite, mit Anlaufschmerz und Beschwerden unter voller Belastung, dann bringen längere Pausen und mehr Dehnen dich meist nur begrenzt weiter. Dann sollte jemand die Mechanik dahinter durchtesten.
Genau das mache ich in der Sportosteopathie in Dortmund.
Jeffrey Saß ist Heilpraktiker und Osteopath in Dortmund und behandelt in der Kraftquelle Dortmund Sportler mit Überlastungsbeschwerden.